Woran erkennt man eine Essstörung? Warum verschwinden Ihre Essprobleme nicht einfach wieder?

Charakteristisch für Essstörungen sind besondere Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle, die sich wechselseitig ungünstig beeinflussen, so dass ein Teufelskreis entstehen kann, durch den Essprobleme aufrechterhalten werden.

Typische Verhaltensweisen:
Wenn Sie unter einer Essstörung leiden, haben Sie meistens kein geordnetes Essverhalten, sondern leben abwechselnd mal mit Diät und mal mit Völlerei, wobei Sie völlig die Selbstkontrolle verlieren. Die Essprobleme kann man anhand der folgenden Verhaltensweisen erkennen:

  • Sie lassen bewusst festgelegte Mahlzeiten aus (z.B. das Frühstück). Sie essen fast ausschließlich Diätprodukte, da Ihre Nahrungsaufnahme strengen Diätregeln oder individuellen Verboten unterliegt (z.B. keine kalorienreichen Lebensmittel am Abend).

  • Sie essen häufig kleine Mahlzeiten oder zwischendurch, ohne es zu bemerken.

  • Sie haben Essanfälle, das heißt, Sie essen innerhalb kurzer Zeit große Nahrungsmengen und haben dabei das Gefühl, die Kontrolle über sich zu verlieren. Manchmal haben Sie den unwiderstehlichen Drang, so schnell so viel wie möglich essen zu müssen. Essanfälle beruhigen oder befriedigen Sie vielleicht kurzfristig, dann allerdings folgt oft ein körperliches Unwohlsein, Schuld- oder Schamgefühle, oder sogar Verzweiflung. Daher werden Essanfälle auch häufig geheim gehalten und finden meistens statt, wenn Sie alleine sind.

  • Sie essen während normaler Mahlzeiten zu große Mengen. Dabei essen Sie schneller oder mehr als die anderen. Sie müssen große Mengen essen, um sich satt zu fühlen. Oder Sie essen, bis sich Ihr Magen unangenehm voll anfühlt oder sogar schmerzt.
Typische Gedanken:
Sie denken ständig darüber nach, wie Sie weniger essen könnten oder stellen für sich selbst strenge Regeln über Menge, Zeitpunkt und Häufigkeit der Mahlzeiten auf. Das hat oft zur Folge, dass Sie dadurch Ihr normales Hunger- und Sättigungsgefühl verlieren bzw. nicht mehr einschätzen können, was Ihnen wirklich schmeckt.
Sie denken also hauptsächlich nur noch daran, wie Sie am Besten und am Schnellsten Gewicht verlieren könnten. Dann kann es passieren, dass Sie sich nur noch auf zwei Arten ernähren:
  • Sie essen "gezügelt", also eingeschränkt, und lassen sich von Diätregeln leiten;

  • Sie haben Essanfälle, bei denen Sie die Kontrolle verlieren und all das essen, was Sie sich sonst verbieten.
Wenn Sie sehr gezügelt essen, kann es dazu kommen, dass Sie ein starkes Verlangen nach verbotenen Lebensmitteln entwickeln. Wenn Sie dann diese verbotenen Lebensmittel essen oder wenn Sie das Gefühl haben, zu viel zu essen, denken Sie vielleicht "jetzt ist es eh' schon egal" oder "jetzt ist es sowieso zu spät". Das führt dann oft zu Essanfällen, bei denen Sie schnell all das essen, was Sie sich sonst verbieten. Sie denken dabei vielleicht "Ich möchte das unerlaubte und unkontrollierte Essen so schnell wie möglich hinter mich bringen." Danach werden Sie wahrscheinlich wieder Diät halten. Dadurch verlernen Sie normale Essgewohnheiten und stattdessen bestimmen Diäten und Essanfälle abwechselnd Ihren Alltag.

Typische Gefühle:
Wenn Sie die Kontrolle beim Essen verlieren und sich überessen, verspüren Sie häufig Schuld- oder Schamgefühle bzw. haben Gewissensbisse wegen Ihrer Willensschwäche oder Heimlichtuerei.
Sie fühlen sich zuweilen depressiv: Sie sind traurig, erschöpft, leicht reizbar und lustlos. Sie haben wenig Energie und können sich schlecht konzentrieren.
Es kommt immer wieder vor, dass Sie ein schwaches Selbstbewusstsein haben, mit sich selbst unzufrieden sind und einfach nur allein sein wollen.
All diese Gefühle können Folgen Ihrer Essstörung oder Ihrer Gewichtsschwankungen sein. Diese Gefühle sind kein Beweis dafür, dass Sie tatsächlich wertlos oder nutzlos sind.

Essen kann aber auch angenehme und beruhigende Folgen haben. Essen kann Ihnen helfen, besser mit unangenehmen Gefühlszuständen umzugehen bzw. Ablenkung von Frust oder Niedergeschlagenheit bieten.
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